Wagner-Stempel

Weingut Wagner Stempel
Weingut Wagner Stempel

In der Verbandsgemeinde Wöllstein im Landkreis Alzey-Worms, unweit von Bingen, liegt das sehr beschauliche Siefersheim. Keine 1.300 Männer, Frauen und Kinder füllen den Winzerort, 1254 erstmals urkundlich erwähnt, mit viel, viel Leben. Unter ihnen: Daniel Wagner. Nach acht Generationen nimmt er 1992 die Führung des Weinguts Wagner-Stempel und macht es, nach dessen Ära als so genannter Mischbetrieb – Viehzucht, Acker-, Obst- und Weinbau – zu einem Aushängeschild und wahren Vorzeigeunternehmen. Seine Erfahrungen, seine Zeit in Bordeaux, der Toskana und im kalifornischen Carneros sollen eigene Früchte auf eigenem Grund und Boden tragen. Zwischen Heidelandschaft, Steinbrüchen und Bachläufen. Reife, satte, gehaltvolle weiße und rote Beeren aus der „rheinhessischen Schweiz“. Wahre Perlen für seine Weine auf etwa 18 Hektar Rebfläche Heimat. Gut zur Hälfe: Rieslingrebstöcke. Pro Saison werden auf dem Familiengut, 1845 gegründet, rund 120.000 Flaschen abgefüllt.

Auf seinen hügeligen Parzellen in den Einzellagen „Siefersheimer Heerkretz“, „Goldenes Horn“, „Höllberg“ und „Wonsheimer Hölle“ gedeihen auch Reben weißer Burgundersorten, zirka 25 Prozent, Silvaner, Scheurebe, Sauvignon Blanc und verschiedene Rotweintrauben. Den „Scharlachberg“ nicht zu vergessen. Seit 2005 alle ökologisch bewirtschaftet. Die offizielle Zertifizierung erfolgt 2008. Die Philosophie des Winzers: Hervorragende Weine wachsen durch gesunde, reife Reben in natürlichen Weingärten. Hinzu kommen die Eckpunkte der wagnerschen Qualitätsphilosophie: penible Weinbergsarbeit, konsequente Ertragsbeschränkung sowie selektive Handlese.

Das Besondere der Siefersheimer Lagen ist das vulkanische Verwitterungsgestein. Bei der Rebsorte Riesling werden bei entsprechendem Bewirtschaften eine unverkennbare vom Bodencharakter geprägte Aromatik und Stilistik des Weins erreicht – insbesondere unter der Regie des Winzers in seinem alten Kreuzgewölbestall mit seinen Säulendoppelreihen und kreuzgratgewölbten Decken.

Schon 2007 wird Daniel Wagner als „Aufsteiger des Jahres“ gefeiert. Aber nicht nur die Macher*innen des „Eichelmann“-Weinführers erkennen sein Potential und verleihen ihm 4,5 von fünf Sternen. Vier von maximal fünf Trauben überreichen ihm die „Gault&Millau“-Kritiker*innen, wenn auch zwei Jahre später, 2009. „Der Feinschmecker“ nimmt den Betrieb unter die „240 besten deutschen Weingütern“ auf.

„Es geht uns um einen prinzipiell handwerklich geprägten Weinbau“, philosophiert der Chef und schaut auf seine Rebflächen, auf ihre und seine malerische Heimat, auf seinen Innenhof, die Orleanderbüsche, … . Er möchte alles in einer „überschaubaren Größenordnung“ und in „greifbaren Dimensionen“ halten. Und er hat es geschafft, seine Ziele über Jahre zu erreichen. Wahrscheinlich hat er einige auch bei weitem übertroffen. Dank der Hilfe auf seinem traditionellen Familiengut im äußersten Westen von Rheinhessen, dank dem gesamten Team zwischen Edelstahl und Fassholz. Sein dankender Blick richtet sich auf Cathrin, seine Frau, die ihn unterstützt, und auf den „Herr der Flaschen“, Oliver Müller, seine rechte Hand. Wie auf den Önologen am Hof, David van den Höövel, und alle weiteren Frauen und Männer um ihn herum. Bis zu den beiden Kindern, Sohn Paul und Tochter Antonia – vielleicht ja die nächsten, erfolgreichen Gutsbesitzer.

Daniels aktuelle Konzentration liegt auf Riesling, Weißburgunder und Silvaner. Er weiß: „Die Früchte dieser Leidenschaft nach Wein zeigen sich alljährlich in einer Weincharakteristik, die animierend frisch und klar einerseits – herausfordernd komplex und konzentriert andererseits ausfällt.“ Der Regisseur weiter: „Die Grenzen zwischen Arbeit und Muße sind fließend, alle Details des Wirtschaftens miteinander verbunden und die Aufgaben am Hof kaum trennbar. Und dennoch setzt jeder seine ganz eigenen Akzente, um im ganzen etwas Stimmiges zu vollbringen.“

Unsere besondere Empfehlung: Der Siefersheimer Riesling Porphyr ist die Vorselektion aus der Großen Gewächs-Lage „Heerkretz“. Für uns einer der spannendsten Ortsweine.

Das Weingut ist Mitglied beim VDP (Verband deutscher Prädikatsweingüter) und bei „Message in a bottle“ sowie „Maxime Herkunft Rheinhessen“.

Copyright, ab 2021: Deutsche Weine & Das Rechtschreib- und Korrekturbüro Die Anti-Fehlerteufel – Autor: Werner Herkert