Von Winning

Kunst und Wunder, nicht auf dem Weingut von Winning. Nicht in dem Sinn, wie wir diesen Spruch verstehen. Natur, Innovation und Tradition, das sind die Worte, die für das Gut in Deidesheim und seine Menschen, die damit eng verbunden sind, zutreffen. Wenngleich natürlich auch dort das Weinmachen von Kellermeister Kurt Rathgeber und seiner Mannschaft als echte Kunst und viele der jährlich zwischen 250.000 bis 300.000 Flaschen als ein wahres (Genuss-)Wunder gelten.

Wird in den eigenen Weinbergen auf den zirka 80 Hektar gedüngt, werden die Rebstöcke und Trauben geschützt, dann immer und überall auf Naturbasis. Ohne Kunst und Wunder, wie bemerkt. Ob „Deidesheimer Grainhübel“, „Jesuitengarten“, „Kieselberg“, „Leinhöhle“, „Linsenbusch“, „Mäushöhle“, „Nonnenstück“ „Paradiesgarten“ „Kirchenstück“ oder „Pechstein“. Ihre Böden werden gehegt, gepflegt und geschätzt – durchzogen mit Buntsandstein, Basaltschotter, toniger Sand, tertiärer Kalk und Lösslehm. Alles für einen Durchschnittsertrag von rund 60 Hektoliter je Hektar.

Wer Deidesheim seine Heimat nennt, ist allerdings zu Tradition bis hin zu hoher Qualität eigentlich auch fast uneingeschränkt verpflichtet. Schließlich werben ihre Marketing- und Tourismusstrategen neben dem Hinweis „Urlaubsregion, Luftkur- und Winzerort“ auch mit dem Slogan „Perle an der Deutschen Weinstraße“. Was Teil der (Stadt-)Geschichte und damit das Wort „Perle“ betreffen, können das Weingut und seine heutigen Besitzer kräftig punkten. Von Friedrich Deinhard und seiner Gattin Auguste Margarete Jordan 1849 gegründet, steht das Paar und das Gut für die gleichnamige Sektdynastie. Sein Vater ist Johann Friedrich Deinhard. Er gründete 1794 in Koblenz das Unternehmen „Deinhard & Co.“ – bis heute eine Sekt- und Weinkellerei. Ihr Sohn Andreas Deinhard verfolgt und verfeinert mit seiner Übernahme die Familientradition. Dank ihm blüht der Familienbesitz zu einem der bedeutendsten Qualitätsweingüter in Deutschland auf. 

Entscheidenden Anteil hat er an Richtlinien und Gesetzen für den Weinbau. Durch seine parlamentarische Mitarbeit im Bayerischen Landtag und im Reichstag prägt Deinhard das „Reblausgesetz“ und das erste Deutsche Weingesetz maßgeblich mit. Großen Verdienst um den Pfälzischen Weinbau erwirbt es sich in Praxis und Theorie. Zudem gehört er zu den Mitbegründern des Deutschen Weinbauvereins. In seine Fußstapfen tritt sein Schwiegersohn Leopold von Winning (1873 bis 1917). In jener Zeit lautet sein Besitz „Von Winning’sches Edelweingut“. Nach seinem Tode übernimmt die Familie Hoch das historische und stattliche Gut und führt den Namen „Dr. Deinhard“ wieder ein. Ab 2007 lenkt Achim Niederberger mit seinem Kauf dessen Geschicke und er entscheidet sich zwei Jahre später auch für eine komplette Neuausrichtung und den neuen, jetzigen Gutsnamen: von Winning. Seit seinem Tod 2013 tritt seine Frau Jana Seeger das unternehmerische Erbe als Inhaberin an.

„Aus dem Anspruch an herausragende Qualität erwachsen die Grundprinzipien unseres Hauses. In respektvollem Zusammenspiel mit der Natur begleiten wir unsere Weine vom Rebschnitt bis in die Flasche und lassen dabei vergessen geglaubte Traditionen wieder aufleben. Lebendig, fein und charaktervoll, rassig und voller Spannung haben die Weine ein großes Reifungspotential, bieten aber schon in ihrer Jugend große Trinkfreude“, so der Geschäftsführer der „von Winning Weingut GmbH“, Stephan Attmann. Attmann ist seit der Stunde Null das Gesicht und die treibende Kraft hinter von Winning. Seiner Schaffenskraft, Kreativität und scheinbar nie versiegenden Energie hat das Weingut maßgeblich seinen kometenhaften Aufstieg in nur wenigen Jahren zu verdanken.

Knapp 85 Prozent sind mit Riesling, der Rest mit Weißweinsorten wie Sauvignon Blanc, Chardonnay und Weißburgunder sowie Spätburgunder bestockt. Die Stöcke und Reben genießen naturnahen, nachhaltigen Weinbau mit Kurz- und Dauerbegrünung. Es werden durch sanfte Vorklärung, Mischung aus Spontangärung in Holzfässern verschiedener Größe und maßvollem Einsatz von Reinzuchthefe in Edelstahl Weine mit unverkennbarem Sorten- und Lagencharakter erzeugt. Selbstverständlich verlassen auch immer noch flaschenvergorene Sekte den historischen Weinkeller.

Übrigens, mit Frankfurt/Wein, der stationäre Weinladen zum Onlineportal Deutsche Weine, sind wir einer der wenigen Händler, die die von Winning´schen Weine mit dem ersten Jahrgang aus 2008 schon im Sortiment hatten. O-Ton Stephan Attmann: „Als alle anderen noch über uns gelacht haben, hattet Ihr die Weine schon im Regal stehen“. Nicht unser einziger Volltreffer.

Das Weingut ist Gründungsmitglied des VDP (Verband Deutscher Prädikatsweingüter).

Sauvignon Blanc Fume ist heute in aller Mund und wird von vielen Winzern produziert. Wer den Ur-Vater dieses Weinstils hier in Deutschland noch nicht kennt, sollte ihn unbedingt probieren, den Sauvignon Blanc I.

Copyright, ab 2021: Deutsche Weine & Das Rechtschreib- und Korrekturbüro „Die Anti-Fehlerteufel“ – Autor: Werner Herkert