Sekthaus Raumland

Als 2009 ein Bekannter erzählt, er gehe jetzt noch zu „Raumland“, Sekt holen, sind wir zunächst etwas verwirrt. Das „Raumland“ in Flörsheim-Dalsheim ist uns (noch) kein Begriff. Unsere erste Assoziationen sind Gardinen, Tapeten, Teppichböden, Parkett, …! Wir fragen uns, warum um Himmels Willen geht er zu einem Raumausstatter und kauft dort Sekt? Und vor allem, was mag das wohl für ein „toller Sekt“ sein, den es dort zu kaufen gibt? Wollen er und wir denn diesen tatsächlich trinken? Allerdings ist uns sein hoher Qualitätsanspruch sehr wohl bewusst und damit ist unsere Neugierde geweckt. Heute denken wir immer wieder mal, innerlich lächelnd, an diese kleine Anekdote zurück, wenn Kunden*innen bei uns im Laden in der Wittelsbacherallee 153 inmitten Frankfurts zum ersten Mal den Namen hören und sich erkennbar wundern. Oft sehen wir es ihnen buchstäblich an, dass es ihnen gerade ähnlich wie uns einst geht. Ihre fragenden Blicke.

Das Überraschende ist und bleibt für uns allerdings bis heute, für wie viele echte Weinliebhaber*innen das Sekthaus Raumland immer noch völlig unbekannt ist. Und das, obwohl Volker Raumland längst als die beste Adresse für Schaumweine aus Deutschland gilt.

Dabei fängt seine Laufbahn auf einem ganz anderen Arbeitsfeld an. Die Eltern wünschen sich zunächst einen „soliden“ Beruf für ihren Winzersohn Volker. Bei Siemens wird er zum Industriekaufmann ausgebildet und hier verbringt er die ersten Berufsjahre. Glücklich ist der frischgebackene Kaufmannsgeselle damit und dort jedoch nicht. Mit 26 Jahren kommt folglich der Ab- und Umbruch. Die Weichen werden neu gestellt.

Volkers zweiter Weg beginnt mit seinem Weinbaustudium in Geisenheim. Nach dem erfolgreichen Abschluss und den unzähligen Erfahrungen, die er in dieser Zeit mit anderen Kommilitonen*innen macht und sammelt, ist für ihn sonnenklar: Sein absolutes Lieblingsweinbauthema ist der Sekt. Am Anfang steht eine mobile Sektkellerei. Die Zeit dafür ist gut. Denn die einheimischen Winzersekte gewinnen mehr und mehr an Bedeutung. Oft haben die Besitzer*innen der Weingüter das fürs Sekten erforderliche Equipment nicht. Und hinzu kommt bei vielen von ihnen das mangelnde Vertrauen, ihre erlesenen Grundweine an fremde Lohnversekter, zudem außer Haus zu geben. Die optimale Lösung: Raumlands mobile Sektkellerei.

Bereits 1984 bringt Volker Raumland seine ersten, eigenen Produkte auf den Markt. 1989 gründen er und seine Frau Heide-Rose ihr Sektgut. Ihre eigenen, edlen Tropfen werden von nun an ausnahmslos mit Trauben aus den eigenen Weinbergen in und um Flörsheim-Dalsheim hergestellt.

Das Sekthaus-Team bearbeitet zirka zwölf Hektar Rebfläche in besten Lagen, wie „Dalsheim Bürgel“, „Hohensülzer Kirchenstück“, „Bockenheimer Schlossberg“ oder „Mölsheimer Silberberg“. Die Rebsorten im Schwerpunkt: Chardonnay und Pinot Noir. Hinzu kommen Weißburgunder und Pinot Meunier, aber auch etwas Riesling. Alle(s) biologisch bewirtschaftet. Die Raumland-Gesamtproduktion liegt zwischen 60.000 und 90.000 Flaschen pro Jahr. Bei zirka 65 Hektoliter liegt der Ertrag je Hektar. Und im Keller lagern rund 850.000 Flaschen, so Volker Raumland. Mindestens vier Jahre.

Es werden unterschiedliche Varianten aus sortenreinen Grundweinen und Rebsorten-Cuvées, alle nach der traditionellen Methode der Flaschengärung versektet. Die hochwertigen Lagen- und Jahrgangssekte liegen sehr lange auf der Hefe bis sie teilweise nach zwölf Jahren degorgiert und auf den Markt gebracht werden. Was Volker Raumland macht, ist gut – sehr gut. Er kann sich vor Auszeichnungen und Ehrungen kaum noch retten. Vom „Gault&Millau“ seit Jahren in Folge zum besten Sekthersteller gekürt, reiht ihn „Eichelmann“ mit fünf Sternen 2021 bei den Weltklasse-Betrieben mit ein.
Auch bei „Vinum“ residiert das Sekthaus mit 4,5 von fünf Sternen im Olymp der Wein- und Sektproduzenten. In der neuesten Ausgabe 2022 wird der 2008er Blanc de Noirs Grande Réserve als bester Winzersekt Deutschlands prämiert. „Weltklasse Weingut“, das Prädikat können und dürfen sich die Raumlands seit vergangenem Jahr, 2021, dank „Gault&Millau“ zudem auf die Fahnen schreiben. Oder in die hauseigene Firmenchronik.

Volker ist dennoch der bescheidene, zurückhaltende, ruhige Denker und Lenker geblieben. Was auch seine „bessere Hälfte“, Heide-Rose, an ihm so mag. Mal sehen wir ihn mit dem Stapler auf dem Hof arbeiten oder persönlich eine Abholung in einen Lieferwagen packen. Und wer ihn kennt, weiß, auf welche der vielen Auszeichnungen er am meisten stolz ist. Längst wird sein Name auf Augenhöhe mit namhaften Champagnerhäusern gehandelt – ja selbst an den Élysée-Palast in Paris liefert er seinen Sekt. Welcher Winzer und Sektmacher in Deutschland kann das noch sagen?!

Aber auch unter dem Raumland-Dach drehen sich die Uhren weiter und die Zeiten ändern sich. Seit 2019 sind die beiden Töchter Marie-Luise und Katharina mit in der Geschäftsleitung. Nach abgeschlossenem BWL- und Weinbaustudium stehen sie bereit, das renommierte Familien-Sekthaus sukzessive unter ihre sach- und fachkundigen Fittiche zu nehmen. Das Sektherstellen ist für sie alle kein Beruf, sondern eine Berufung. Wir freuen uns auf diese, auf ihre Zeit und auf unsere weiterhin hochinteressante, genussreiche Zusammenarbeit in Sachen „Hochwertige Schaumweine“.

Unsere besondere Empfehlung: Eigentlich und ganz ehrlich eher die Empfehlung unserer Kunden*innen durch ihre Wahl. Die Cuvée Katharina brut nature ist Jahr für Jahr unser meist verkaufte Raumland-Sekt.

Eine Besonderheit noch: Das Sekthaus Raumland aus Rheinhessen ist seit 2020 das erste VDP-Sektgut und damit ein Ausnahmemitglied beim Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP). Zudem, es gehört zum „Verband Traditioneller Sektmacher“. Dessen Präsident: Volker Raumland.

Copyright, ab 2021: Deutsche Weine & Das Rechtschreib- und Korrekturbüro Die Anti-Fehlerteufel – Autor: Werner Herkert