Sebastian Michel

Vor 50 Jahren, 1971, hat seine Heimat noch einen ganz anderen Namen. Das heutige Hochborn mit seinen rund 450 Einwohner*innen im Landkreis Alzey-Worms heißt damals Blödesheim. Ein Ortsname, mit dem sich unter Garantie niemand mit erhobenem Haupt und breiter Brust selbst stolz schmückt. Weder in Rheinhessen, noch anderswo. Inzwischen rühmen sich Ortsbürgermeisterin Ute Balz und ihre Schäflein dank einer geschichtsträchtigen, denkwürdigen Umfrage vor einem halben Jahrhundert unter den Bürger*innen als „Das Höchste im Wonnegau“. Auf Grund der Höhenmeter im Alzeyer Hügelland: in Summe rund 270 Meter im Bereich der evangelischen Dorf- und Pfarrkirche.

Sebastian Michels Vater Dieter und seine Mutter Anneli und Oma Helgard Class stimmen damals auch mit ab. Bei der für sie wichtigen Entscheidung über und für die im wahrsten Sinn des Worts „namhafte“ Zukunft: Hochborn oder Berghorn? Alles Geschichte. Doch auch ein Teil ihrer Familiengutsgeschichte. Wie 1992 die Aufgabe der hauseigenen Schweinezucht und dem im gleichen Jahr gestarteten Abfüllen des Weins in Flaschen. Ein weiteres wichtiges Jahr: 2014. Sohn Sebastian startet nach seiner Ausbildung und Studium in Geisenheim zum Winzer und Kellermeister seine eigene Weinlinie „M“. Dazu gleich mehr.

Durch die geografische Lage gibt es in der Gemeinde keine echten Weinberge, sondern Weinäcker, Weingärten. Der Weinbau spielt für die Region eine große Rolle. Besonders für Jungwinzer Sebastian. Der gemeinsam mit seinem Vater die erwähnte Linie „M“ als Linie für die neue, nächste Generation gestartet hat, verfolgt, ausbaut und weiter unermüdlich verfeinert. Dank vielen innovativen, „weinverrückten“ Impulsen, angestrebter, steigender Güteklasse und jeder Menge Potenzial. Ökologie und Nachhaltigkeit gehören dazu. Vitale, humusreiche, ursprüngliche Böden. Natur pur.

Seine Weine der Linie „M“ genießen das ganze Jahr hindurch besondere Aufmerksamkeit – vom Rebschnitt bis zur Lese. Mit extremer Sorgfalt und eignen Händen pflegt, hegt und bearbeitet die ganze Familie die Rebstöcke und Reben. Nur gesunde, reife Trauben gelangen für „M“ in den Keller und werden besonders schonend gepresst. Es ist die Zeit und die Besinnung auf das Ursprüngliche, aber auch die Lagerung auf der Hefe und der Ausbau in traditionellen Holzfässern, zum Teil über 100 Jahre alten Eichenfässern, die seine filigranen Weine so gut und ganz besonders schmecken lassen.

Die Südhänge und das Hochplateau der besten Lagen „Morstein“ und „Höllenbrand“ sind durchzogen von großen wasserführenden Kalkfelsen. Eine Erinnerung daran, dass vor Millionen von Jahren hier die Korallenbänke des Urmeeres wuchsen. Ihnen verdanken die Reben eine gute Wasser- und Nährstoffversorgung. Auf den schweren Tonmergelböden in der Oberschicht gedeihen wunderbar fruchtige Weine. Der Kalkstein bringt eine komplexe, leicht salzige Mineralität hervor. Dadurch lassen sich Jahr für Jahr Weine von höchster Qualität keltern.

Sebastian versteht es laut den „falstaff“-Macher*innen gekonnt, das Potenzial der Spitzenlage „Morstein“ mit ihren Kalkböden auszureizen. Seinen Rieslingen, ausgebaut in Holzfässern, verleiht der Jungwinzer ein ganz individuelles Profil. Seine Weine mit ihrem mineralischen Schliff und ihrer verwobenen Struktur können lange für Genuss sorgen.

Und noch ein kurzer Sprung zurück, in der Geschichte von Blödesheim. 1750 siedelt Heinrich Christian Class sich hier an. Mit der Hochzeit von Dieter und Anneli wird aus dem Blatmarishof Class, dem elterlichen „Gemischtbetrieb“, 1984 das Weingut Michel. Seit 2014 heißt dessen Junior-Chef Sebastian Michel. Und was sagt der erfolgreiche Kellermeister zu seiner Familie und seiner Passion: „Wir leben Wein. Jeden Tag.“

Unsere besondere Empfehlung: Wieder ein Unikat, das es nur bei uns gibt – online oder auch direkt im Weinladen in Frankfurt.  Der Westhofener Weißburgunder 20/07. Ein Wein der polarisiert. Der nicht jedem gefallen will. Aber jeder sollte ihn versucht haben.

Copyright, ab 2021: Deutsche Weine & Das Rechtschreib- und Korrekturbüro Die Anti-Fehlerteufel – Autor: Werner Herkert