Schloss Lieser

Das Weindorf, das Weingut und das Schloss an der Mosel, nahe Bernkastel, tragen alle den gleichen, klangvollen Namen: Lieser. Das Weingut Schloss Lieser von Thomas Haag, gegenüber, auf der anderen Uferseite von Mühlheim gelegen, wird mit „Sternen“, „F´s“ und „Trauben“ über die Jahre geradezu überschüttet. Nicht schmuckvoll an seiner historischen Fassade oder auf dem Dach glänzenden, sondern über die Formel „5 x 5“. Der maximalen Anzahl der den unterschiedlichen Weinführern jeweils zugehörigen Zeichen, die Kenner*innen der Weinszene(n) vergeben können und möchten – die des „Falstaff“, „Der Feinschmecker“, „Eichelmann“, „Gault & Millau“ und „Vinum“. Höchste Auszeichnung und Bewertung für Haags Familienweingut zum 20. Geburtstag in Wein- und Fachbüchern, für viele Weintrinker*innen regelrechte Leitfäden und der Maßstab für beste Qualität.

1997 kaufen Thomas und Ute Haag das Schloss Lieser, einst Sitz des Freiherrn von Schorlemer. Ihr Ziel: Spitzenweine von der Mosel. Dank der bei Fritz Haag im elterlichen Gut gesammelten Erfahrungen als Winzer. Weiteres Ziel: Diese einbringen und über Jahre erweitern. Verfeinern. Das Ergebnis nun nach über 20 Jahren harter Arbeit: Spitzenriesling aus Spitzenlagen. Zirka 18 Hektar, alle durchzogen von Verwitterungsschiefer und ausschließlich mit Riesling bestockt, liegen ihnen dafür zu Füßen. Ihre besten Lagen: Lieser Niederberg Helden, Graacher Himmelreich, Lieser Schlossberg, Brauneberger Juffer und Juffer-Sonnenuhr. Der Durchschnittsertrag von Schloss Lieser liegt bei 50 Hektoliter pro Hektar.

In den Jahren 1885 bis 1895 wird das Schloss aus Grauschiefer für den Freiherr von Schorlemer erbaut. 1904 entsteht das Weingut „Schloss Lieser“ unmittelbar in dessen Schatten. Ab den 70ern beginnt die Talfahrt des Guts. Grund für den Qualitätssturz: der mehrfache Besitzerwechsel. Zur Traubenernte 1992 übernimmt Thomas Haag die Betriebsleitung, um das Ruder nach und nach auf dem Gut herumzureißen. Es folgt, wie bereits erwähnt, 1997 dessen Kauf.

„Rieslingwinzer“, so der preisgekrönte Gutsherr, „werden die letzten Jahre mehr und mehr im Weinberg durch Mutter Natur gefordert. Das immer schmalere Fenster für die Lese, und dieses optimal zu nutzen bedeutet unter Hochdruck das Traubengut in oftmals nur wenigen Stunden abzuernten.“ Dadurch werde der Lesezeitpunkt zukünftig immer mehr Einfluss auf die Stilistik insbesondere der deutschen Rieslinge nehmen. Der „Winzer des Jahres 2015“ weiter: „Und er verlangt ein agiles Bewirtschaften, das wir glücklicherweise bei vielen unserer Weingüter bereits beobachten können.“

Dennoch, oder gerade deshalb, steht Haag mit seinem Team für den naturnahen Weinbau, verbunden mit einem konsequenten Reduzieren der Menge(n). Trotz dem Verdoppeln der haagschen Rebfläche zwischen 2016 und 2020. Strenge selektive Handlese und mehrere Durchgänge garantieren das Ernten vollreifer Trauben – einige der Rebstöcke an seinen Steillagen wachsen seit über 100 Jahren –, die im Anschluss äußerst schonend gepresst werden. Im kühlen Keller werden die Moste der gekelterten Trauben im Holzfass oder Edelstahltank vergoren. Je nach ihrem Charakter. Zu den Spezialitäten des Gutes zählen die süßen Prädikatsweine. Das ultimative Aushängeschild des namhaften Familienweinguts Schloss Lieser ist sein „100 Prozent Riesling“ und bleiben seine „Rieslinge mit dem Prädikat ‘Weltklasse’“.

Das Weingut ist Mitglied im VDP (Verband Deutscher Prädikatsweingüter).

Copyright, ab 2021: Deutsche Weine & Das Rechtschreib- und Korrekturbüro „Die Anti-Fehlerteufel“ – Autor: Werner Herkert