Peter Jakob Kühn

Weingut Peter Jakob Kühn
Weingut Peter Jakob Kühn

Im mittleren Rheingau wird auf dem Gut in Oestrich-Winkel seit über 230 Jahren Wein angebaut. Heute in der zehnten Familiengeneration. Für die Region typisch, traditionell: Riesling. Doch „typisch“ und „traditionell“ hin oder her, neue Generationen in neuen Zeiten in einem modernen Unternehmen hinterlassen Spuren. Beim Weingut Peter Jakob Kühn heißt das: Umdenken und sodann ein Umwandeln in ein „Bio-Weingut“. Nicht nur im Rheingau werden das Gut, dessen Inhaber immer wieder gern als Aushängeschild der „demeter“-Betriebe gehandelt.

Das Weingut Peter Jakob Kühn wird 1786 von Jacobus Kühn gegründet. Bis vor wenigen Jahren haben Peter Jakob und Angela Kühn noch das alleinige Sagen. 2016 wird er als „Winzer des Jahres“ durch die „Gault&Millau“-Kritiker gekürt. Inzwischen übernimmt ihr Sohn Peter Bernhard zunehmend das Weingut und ist der hauptverantwortliche Inhaber. An seiner Seite: Viktoria Kühn. Sie verfeinern die Kunst des Weißweinmachens weiter, halten an Tradition fest und er experimentiert zugleich. Immer die perfekte Balance im Blick: Frische, Frucht, Restsüße, Trinkfreude und -genuss.

Die Weinberge, 24 Hektar Rebfläche, machen das Abfüllen von 120.000 Flaschen im Jahr möglich. Der Ertrag im Schnitt beträgt 50 Hektoliter je Hektar. Die besten Lagen von Hallgarten bis Mittelheim: „Oestricher Lenchen“, „Doosberg“, „St. Nikolaus“ und „Hendelberg“. Ihre Böden: toniger Lehm, Buntschiefer, sandiger Quarzkiesel, grauer und roter Taunusquarzit. Bestockt sind die Parzellen zu 95 Prozent mit Riesling. Spätburgunder nimmt die restlichen fünf Prozent der Fläche ein. 

2004: Der Einstieg in die biologisch-dynamische Winzerlandwirtschaft. Biodynamie ist fortan das Schlag- und Zauberwort im Familienunternehmen. Im Vordergrund stehen die natürlichen Zusammenhänge im Rheingau. Die Beziehung und Symbiose zwischen Böden, Rebstöcken, Trauben bis hin zur Witterung. Anders formuliert: Der Naturhaushalt ist die Basis für alle. Das Gleichgewicht zwischen ihm und den Kulturen. Das Ziel ist sonnenklar: gesunde, aromatische Reben dank Biodiversität.

Seit dem Jahrgang 2005 sind alle Weine mit „Stelvin“, einem hochwertigen Drehverschluss für Weinflaschen, versehen. Vor diesem Schritt scheuen sich einige Winzer noch immer. Besonders in hochpreisigen Revieren. Doch eine Weinflasche ohne Korken „korkt“ nun einmal nicht. Und die Erfahrung hat längst bewiesen, dass der „Stevin“ auch für Weine mit hohem Lagerpotential kein Nachteil ist. Und wer immer noch glaubt, ein Schraubverschluss sei per se ein Zeichen für niedrige Qualitäten, muss sich gedanklich dringen von den 1980gern verabschieden.

Das Weingut ist seit 2004 ein zertifizierter „Demeter“-Biobetrieb, was bedeutet, dass in den Weinbergen biodynamische Methoden angewandt werden. Unter anderem kommt Kompost – Brennnesseln, Eichenrinde, Kuhmist, … – in die Weinberge, unter die Erde. Im Spätsommer sähen die Kühns und ihr Team verschiedene Blumen, Gräser und Kräuter aus. Durch selektive Lese, Spontangärung und einen natürlichen Ausbau werden kraftvolle, mineralische Weine vinifiziert. Die Weißweine, überwiegend trocken ausgebaut, sind eine Spezialität der Winzerei. Doch auch edelsüße Prädikatsweine gehören dazu. Ihr Spätburgunder wird seit 1993 in zwei Versionen ausgebaut: klassisch und im Barrique. Flaschenvergorene Sekte runden das Sortiment ab.

„Ein gesunder Most findet von selbst seinen Weg“, so die kühnsche Haltung. Vertrauen in der optimale Lesegut wird vorausgesetzt. Plus Zeit. Ausreichend Reifezeit für den gelagerten Rebensaft, um aus ureigener Kraft sich selbst zu finden. Die Kühns und ihre Mannschaft „lieben Weine, die Emotionen übermitteln“.

Unsere besondere Empfehlung: Der Hallgarten Reinschiefer Riesling ist der perfekte Einstieg, um sich eine Vorstellung von der Kühnschen Kollektion zu verschaffen.

Das Weingut ist Mitglied beim VDP (Verband Deutscher Prädikatsweingüter), bei „demeter“ und „La Renaissance des Appellations; V – Return to Terroir“, einer Gruppe, 2001 in Frankreich gegründet, von derzeit 175 Landwirten aus 13 Ländern.

Copyright, ab 2021: Deutsche Weine & Das Rechtschreib- und Korrekturbüro Die Anti-Fehlerteufel – Autor: Werner Herkert