Koehler-Ruprecht

Weingut Köhler-Ruprecht
Weingut Köhler-Ruprecht
Weingut Köhler-Ruprecht

Kallstadt an der Deutschen Weinstraße kennen die einen durch Donald Trump und dessen US-Präsidentschaft – sein Opa und seine Oma, väterlicherseits, kommen aus dem Ort in der Pfalz. Den Ausläufern der Vorhöhen des Haardtgebirges in der Verbandsgemeinde Freinsheim. Andere kennen Kallstadt, einst an der Römerstraße gelegen und danach in fränkischer Hand, als Genießer, Kenner oder einfach als neu- und wissbegierige Weintrinker*innen. Ihr Augenmerk und ihre Freude am Genuss fallen auf das Weingut Koehler-Ruprecht.

Weinbau wird im pfälzischen Kallstadt vor über 2.000 Jahren dank zahlreicher archäologischer Ausgrabungen und dort gemachter Funde nachgewiesen. Seitens der Familie Ruprecht steht der urkundliche Nachweis des Weinbaus um 1700 geschrieben und damit fest. Aus ihrem Besitz wird das Weingut Koehler-Ruprecht. Wiederholt. Denn der Lauf der Geschichte und damit der Erbfolgen sowie Heiraten löschen die Namen und den Namen aus. Ende der 1960er-Jahre macht Otto Philippi das Gut zu seinem Eigentum. Er und in erster Linie sein Sohn Bernd – einst Weinberater und auch „Winzer des Jahres“ – lenken nach der Betriebsübernahme rund 40 Jahre dessen Geschicke. Dann erneut ein Wechsel. Dominik Sona tritt ihn in die tiefen Fußstapfen von Bernd Philippi und verantwortet heute als Geschäftsführer und Betriebsleiter die Geschicke des Weinguts für nun neue Eigentümer, die Familie Sauvage.

An seiner Seite bis zu seinem Ausstieg in die eigne Selbständigkeit und dem damit verbundenen Umzug in die historische Altstadt von Neustadt an der Weinstraße: Kellermeister Johannes Lochner. Dominik Sonas aktuelles Winzerteam ist nun ein Trio: Neben dem Geschäftsführer persönlich stehen Franziska Schmitt und Ulrich Meyer jetzt für Innovation und Tradition. Worte wie Wildhefe, Old-School-Riesling, Pfalzliebe, Riesling-Lover, Zum-Wohl-die Pfalz und „A big bottle needs big power“, auf Deutsch „Eine große Flasche braucht große Kraft“ gehören zu ihrem gelebten und geliebten Alltag in der altehrwürdigen Winzerei.

Rund 80.000 Flaschen Wein ergibt ihre Handarbeit auf einer Fläche von 12,5 Hektar in den „Lagen Annaberg“, „Kreidkeller“, „Saumagen“ und „Steinacker“ – durchzogen mit Kalkgeröll, sandigem Lehm und Kiesanteilen. Bei 45 Hektoliter je Hektar liegt der Ertrag im Durchschnitt. Ein Großteil der Flächen sind mit Riesling und Spätburgunder sowie Weißburgunder und Scheurebe bestockt.

Ausnahmslos vergären die Weine des Koehler-Ruprecht-Guts im Holzfass. In traditionellen Viertel-, Halb-, Stück- und Doppelstückfässern oder im Barrique – unter dem Verwenden der natürlichen Hefen. Die kleinen Gebinde bewirken in Verbindung mit dem scharfen Mostvorklären und den trägeren Naturhefen ein sehr langsames Spontangären, was sich bei den Spitzen-Rieslingen bis zu neun Monate hinziehen kann. Nach der Gärung reifen die Weine längere Zeit auf der Feinhefe. Dieser traditionelle Ausbau führt zu langlebigen Weinen, die sich erst nach einigen Jahren Flaschenreife offenbaren. Die Spätburgunder werden in Barrique ausgebaut. 

Das Weingut ist seit dem 1. Januar 2015 nicht mehr Mitglied beim VDP (Verband Deutscher Prädikatsweingüter). Die 1926 über den „Verein der Naturweinversteigerer der Rheinpfalz“ begonnene Verbundenheit ist beendet. Als ausschlaggebender Grund für den radikalen Bruch gelten die zu unterschiedlichen Standpunkte in Fragen und Stufen der „Qualitäts-“ und „Prädikatsweine“. Für den Gutsleiter war und ist entscheidend: Nicht angereicherte Moste sind in seinen Augen die wesentliche Voraussetzung für authentische Weine, die ihren Jahrgang widerspiegeln. Er und seine Mannschaft wollen weiter „kompromisslose Weine“ produzieren. Die VDP-Philosophie und ihre trennen nach seiner festen Auffassung inzwischen regelrecht Welten: Die Sicht auf die lange Tradition des echten Naturweins.

Unsere besondere Empfehlung: Der Saumagen Riesling Kabinett trocken ist der pefekte Einstieg, um die Weine von Koehler-Ruprecht kennen zu lernen.

Copyright, ab 2021: Deutsche Weine & Das Rechtschreib- und Korrekturbüro Die Anti-Fehlerteufel – Autor: Werner Herkert