Knipser

Weingut Knipser
Weingut Knipser

Umgangssprachlich ist ein Knipser ein Amateurfotograf. Positiv betrachtet gibt es die Redensart auch in der Welt des Fußballs. Gerd Müller, einst legendärer Mittelstürmer unserer Nationalmannschaft, Weltmeister 1974, und „die Nummer 9“ des FC Bayern München, gehört zur großen Reihe der Knipser. Zu denen, die auf engstem Raum und in den unglaublichsten Positionen das Runde ins Eckige bringen. Buchstäblich ein Torschütze, der aus allen Lagen abzieht und trifft. In 62 Spielen im Trikot für Deutschland schoss der heute 76-Jährige und wahrscheinlich wohl ewige „Bomber der Nation“ 68 Tore. Auf dem Johanneshof in der Pfalz, in der Verbandsgemeinde Leiningerland leben und arbeiten ebenfalls meisterliche Knipser. Die Brüder Volker und Werner bringen – inzwischen mit Hilfe von Werners Sohn Stephan – allerdings das Runde ins Runde. In Fässer und in Tanks. Und Zählbares am Ende in Flaschen.

Ihr Weingut Knipser in Laumersheim wird 1876 gegründet. Ihre Vorfahren siedeln aus Südtirol in die Pfalz um und widmen sich vorwiegend dem Acker- und Obstbau. Ihren Wein verkaufen sie lange, lange Zeit in Fässern. Was damals jedoch alltäglich ist. 1948 stechen die Knipser’ dann als echte Pioniere heraus. Denn sie starten in eine, ihre neue Vermarktungsära: Dem Abfüllen ihres Weins in Glasflaschen, verbunden mit dem Direktverkauf. Sie machen damit sich und dem sprichwörtlichen Volksmund alle Ehre: echte Knipser eben.

Zu Beginn der 70er Jahre wird auf dem Gut komplett auf den Weinbau gesetzt und der gesamte Betrieb entsprechend umgestellt. Die beiden Brüder Werner und Volker entdecken für sich in den 80ern den Barrique-Ausbau. Sie gehören auch zu den Ersten, die mit internationalen Rebsorten wie Syrah, Merlot und Cabernet Sauvignon in Deutschland Erfahrungen sammeln und entwickeln ihr Eigentum zu einem Ausnahmeweingut. So gelten sie auf diesem Feld bis heute als absolute Spezialisten. 2005 wird Stephan als Miteigentümer aufgenommen.

Rund 400.000 Flaschen Wein produzieren das Trio und seine Helfer*innen dank einer 56 Hektar großen Rebfläche. Der Durchschnittsertrag des Weinguts Knipser liegt bei 60 Hektoliter pro Hektar. Alle Weine werden seit Jahrgang 2003 im neuen hochmodernen Kellereigebäude am Ortsrand von Laumersheim ausgebaut. Zu 95 Prozent bauen die Knipser ihre Weine trocken aus. Trockenbeerenauslesen keltern sie, wenn die Natur das zulässt, ebenfalls.

Ihre besten Lagen, unterschiedlich durchzogen mit Kalkstein, Kalkmergel, Lehm und Lösslehm: Laumersheimer Mandelberg, Kirschgarten, Großkarlbacher Burgweg und Dirmsteiner Mandelpfad. Die Weinberge in den Einzellagen: Kapellenberg, Kirschgarten und Steinbuckel (Laumersheim), Mandelpfad (Dirmstein) sowie Burgweg und Osterberg (Großkarlbach).

Kultiviert werden unter perfekten Bedingungen die Rotweinsorten Spätburgunder, St. Laurent, Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Merlot, Syrah, und Lemberger. 62 Prozent entfallen auf die Weißweinsorten Riesling, Chardonnay, Grauburgunder, Weißburgunder, Gelber Orléans, Auxerrois, Sauvignon Blanc, Sauvignon Gris, Sylvaner und Gewürztraminer. Bei den Rotweinen stechen „Cuvée X“ im Bordeauxstil – Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet Franc, 18 bis 20 Monate in überwiegend neuen Barriques –, „Cuvée XR“, eine Selektion bester Fässer Cuvée X in besten Jahren, und eine beindruckende Selection an Spätburgundern, wie die Großen Gewächse, „Burgweg“ und „Kirschgarten“, der „Reserve und der „RdP“ (Reserve du Patron), Letzterer schon mehrfach zum besten Spätburgunder Deutschlands gekürt, besonders heraus.

Die Philosophie des Trios und ihr Weinstil: „Jedes Jahr lagen-, sorten- und jahrgangstypische Weine mit Persönlichkeit zu erzeugen. Ein Teil der Weine wird erst nach ein paar Jahren Flaschenreife in den Verkauf gebracht. Wir wollen Weine erzeugen, die Persönlichkeit haben: von leicht, frisch und spritzig bis komplex, konzentriert, mit nötiger Flaschenreife.“ 

Das Weingut ist Mitglied beim VDP (Verband Deutscher Prädikatsweingüter) und Gründungsmitglied im „Deutschen Barrique-Forum“

Copyright, ab 2021: Deutsche Weine & Das Rechtschreib- und Korrekturbüro „Die Anti-Fehlerteufel“ – Autor: Werner Herkert