Jürgen Ellwanger

Weingut Jürgen Ellwanger

Das Remstal, lange die Heimat eines leider 2020 verstorbenen Genießers und Weinkenners: Ulrich Kienzle. Bis zu seinem Rentenalter im Auftrag des ZDF auf der „Frontal“-Gegenseite von Bodo Hauser auf der Mattscheibe zu sehen, danach gern gesehener Gast bei politischen TV-Gesprächsrunden, besonders zum Thema „Naher Osten“. Und viele Jahre als Publizist mit Lesungen unterwegs. Drei seiner Werke: „Abschied von 1001 Nacht“, „Ulrich Kienzle und die Siebzehn Schwaben“, „Tödlicher Naher Osten“. Jürgen Ellwanger dürfte den Weinkenner, „etwas anderen Schwaben“ und ausgesprochenen „VDP“-Weinliebhaber gekannt haben.

„Eines zieht sich wie ein roter Faden durch Jürgen Ellwangers leben. Immer wieder stempelten ihn die Leute als Spinner ab. Und immer wieder wurde hinterher klar: Er hatte Recht, mit dem, was er tat.“ So schreiben es die Schorndorfer Nachrichten zu seinem 80, Geburtstag. Und besser ist sein Winzerleben kaum zu umreisen. Auf seinem Weingut in Winterbach im Rems-Murr-Kreis wird württembergische Weinbau-Tradition seit Anfang des 16. Jahrhunderts gehegt und gepflegt. Für die Vorfahren steht das Jahr 1512 als Ursprung fest. Das heutige Gut gibt es allerdings „erst“ seit 1949 und es wird sogar erst zehn Jahre später voll auf Weinbau umgestellt. Den Schritt macht und wagt damals Gottlob Ellwanger.

Jürgen Ellwanger, der markante Schwabe, setzt von Beginn seiner Übernahme des Familienbesitzes an auf Qualität. Hohe. Früh schon hat er mit dem ökologischen Weinbau experimentiert. Ende der 1970gern ist er der Erste, der in Deutschland Zweigelt anbaut. Der Syrah folgt nicht lange später. Damit verbunden, der Ausbau der Weine im „Barrique“, was damals verpönt war und als fehlerhafter Wein bewertet wurde. Eine eindeutige Wende hin zur unbedingten Produktion von solchen Spitzenweinen findet jedoch mit der Gründung der (Studien-)Gruppe „H.A.D.E.S.“, 1986, statt. Ihre sechs Mitglieder aus Württemberg gehören zu den echten Pionieren im Barrique-Ausbau, also in kleinen (Eichen-)Holzfässern, meist und am liebsten neuen, in Deutschland.

Aber auch bei den klassischen Rebsorten setzt Ellwanger neue Maßstäbe in der damaligen Zeit. Mittlerweile hat er das „Goldene Zepter“ und die Verantwortung für das schwäbische Vorzeigeweingut an die beiden Söhne Jörg und Felix übergeben, welche die Tradition im Ellwangerschen Sinn weiter in die Moderne führen. Aber wie sollte es anders sein: Natürlich „kruschdld de Vadder no weider e bissle mit rum“.

Die Weinberge der Ellwangers erstrecken sich auf eine Fläche von rund 26 Hektar, verteilt auf insgesamt fünf Ortschaften. Die Einzellagen: „Altenberg“, „Burghalde“ und „Sonnenberg“, „Grafenberg“ bei Schorndorf, „Hungerberg“ sowie „Lichtenberg“. Sie sind mit diesen Rotweinsorten bestockt: Spätburgunder, Zweigelt, Lemberger, Dornfelder, Regent, Syrah, Merlot, Frühburgunder, Portugieser, Trollinger und Muskat-Trollinger. Ausgebaut werden natürlich auch Weißweinreben: Riesling, Grauburgunder, Weißburgunder, Rivaner und Kerner. Ohne den Kerner machen Winzer*innen im Württembergischen eine schlechte Weißweinfigur. Er gehört dazu, wie für Rotweintrinker*innen Trollinger und Lemberger. Im aktuellen „falstaff“-Werk stehen für die Familie Ellwanger vier Sterne von maximal fünf auf der Habenseite. Lob von Kritikerseite unter anderem für den Lemberger „mit seiner Dichte und Würze“. Vier Trauben erntet sie von den „Gault&Millau“-Macher*innen aktuell, 2021.

Auf dem Weingut in Winterbach werden außerdem flaschenvergorene Sekte, Liköre, Edelbrände (Trester, Wein, Obst) und auch Essige und seit neustem ein Gin erzeugt. Beeindruckend ist auch ihre hochmoderne Erweiterung der Gutsgebäude, der Kellerei mit ihren Stahlplattenhüllen. Schlicht und zugleich sehr, sehr futuristisch. Ein Architekturpreis ist einer der Löhne für „die Verpackung“ der großen Stahltanks & Co..

Unsere besondere Empfehlung: Der Hebsacker Lichtenberg Samtrot mit seiner seidigen, fruchtigen Struktur, knapp über “trocken” – alles andere als ein “Schoppenwein”!

Das Weingut ist Mitglied beim VDP (Verband Deutscher Prädikatsweingüter) sowie Gründungsmitglied der Barrique-Vereinigung „H.A.D.E.S.“. Deren Maxime: „Große Weine aus kleinen, neuen (Eichenholz-)Fässern.“ Ihre gemeinsame Philosophie in drei Worten: „Rebsorte – Herkunft – Holz.“

Copyright, ab 2021: Deutsche Weine & Das Rechtschreib- und Korrekturbüro Die Anti-Fehlerteufel – Autor: Werner Herkert