Jülg

Weingut Jülg
Weingut Jülg
Weingut Jülg

Alles beginnt „total illegal“. Oskar Jülg – von den älteren Einheimischen entlang der Südlichen Weinstraße gern auch mal als „wahrer Rebell“ beschrieben – will seinen eigenen Weg gehen, seine eigenen Weine produzieren. Als klassischer Quereinsteiger. Das Wort „Querdenker“ hat bei vielen inzwischen ja leider doch eher einen schalen Beigeschmack. Seine Ehefrau Erika steht ihm, der alles wagt, hilfreich und treu zur Seite. Das Paar will französische Weine – „verbotene Früchte“ – in der Pfalz anbauen. Ihr Motto: trocken statt süß. Klasse statt Masse. So gründen die Eheleute 1961 ihr Weingut Jülg.

Rebstöcke aus Burgund, auf sie fällt ihre erste Wahl. Gemeinsam. Der Kalkanteil im Boden als idealer Nährstoff verlockt geradezu zu ihnen. Und an ihnen wachsen viel geschmackvollere Trauben als an hiesigen, bekannten, traditionellen Stöcken in und um das Örtchen Schweigen-Rechtenbach. Eben damals Masse statt Klasse. Sie wollen jedoch das genaue Gegenteil, darum pflanzen die Jülgs den ersten Chardonnay in der Region an – illegal. Total illegal. Laut der Jülgschen Familiensaga. Denn diese erlesene und geschützte Rebsorte ist für ihre Grenzregion, ja für ganz Deutschland nicht zugelassen. Offiziell wird sie erst 30 Jahre später, nämlich 1991, hierzulande zum Anbau freigegeben. Wobei das auch am Geschmack der Zeit liegt. Am Trend. Denn bis Mitte der 90er sind vollmundige, sortenreine Weine, die auch gerne ein paar Gramm Restzucker mehr haben durften, Mode. Eher „schlanke Weine“, nahezu durchgegoren, mit einer schmeckbaren Barrique-Note kommen erst ab dann langsam auf. Alles verjährt. Alles Geschichte. Aber eine schöne.

Heute haben diese Stöcke aus Burgund genau das richtige Alter, wurzeln tief und bilden die Grundlage für große Weine“, freuen sich die Erben. Sohn Werner Jülg führt als gelernter Winzer gemeinsam mit seiner Karin seit 1984 den elterlichen Betrieb und ihr Sohn Johannes gilt als „der wichtige Mann im Keller“ im einstigen Forsthaus. Ihre Weine besitzen dank Geduld, Handwerk und viel Liebe zum Detail Eleganz. Ihr klares Ziel: „salzig, präzise, elegante Weine.“ Vater und Sohn möchten ihren Weinstil zu einer festen Größe in der Weinwelt etablieren.

Die Nähe und die Verbundenheit zu Frankreich prägen auch heute und auch künftig die Produkte des Familienweinguts. Was Oskar Jülg leidenschaftlich begann und Werner visionär bis heute ausbaut – zum Beispiel Rotweine in Barrique-Fässern, in seiner Zeit untypisch, denn die Aromen der Holzfässer werden als „Fehltöne“ gedeutet –, bringt Sohn Johannes zur absoluten Vollendung: große Weiß- und Rotweine. Seine Basis und sein Hintergrund: Als junger, ambitionierter Weinmacher, so meint er selbst, nutzt er selbst die Chancen, die sich seinem Vater, Werner, nicht boten. Er zieht in die weite Winzerwelt, um Erfahrungen und Wissen für die spätere Übernahme des Guts zu sammeln. Bei den ersten Adressen in der heimischen Pfalz, aber auch an der Ahr, Mosel, Nahe und in Rheinhessen. Über sieben Jahre. Und seinen letzten Schliff, wie er meint, für seine Pinot Noir-Passion holt er sich schließlich in der Region Burgund. Alles unter ökologischen Gesichtspunkten.

Im Weinbau muss man in Generationen denken“, so die Jülgs. Übrigens, echte Grenzgänger. Tag für Tag. Heute profitiert Johannes von der Weitsicht Oskars und Werners als diese französische Reben pflanzten. Wenn er jetzt Pinot-Reben im „Kammerberg“ setzt, werden sie das richtige Alter für herausragende Weine haben, wenn sein Sohn Oskar Junior in 25 Jahren die Familientradition fortführen wird.

Ihre Weinberge umfassen 20 Hektar Rebfläche in den Lagen „Sonnenberg“, „Springberg“, „Kammer-“ und „Wormberg“. Sie alle zeichnet eine unterschiedliche Bodenbeschaffenheit aus: Kalk, Buntsandstein, Kies, Lehm und Löss. Die Hälfte der Flächen liegt über der nahen Grenze im französischen Elsass. Knapp 65 Prozent ihres Anbaugebiets entfallen auf die Weißweinsorten Riesling, Weißburgunder, Grauburgunder, Chardonnay, Muskateller, Gewürztraminer, Scheurebe und Sauvignon Blanc. Die Rotweinsorten Spätburgunder, St. Laurent, Schwarzriesling, Cabernet Sauvignon, Dornfelder und Portugieser werden auf den weiteren Flächen kultiviert.

Durch Ausdünnen beträgt der Ertrag zirka 65 Hektoliter pro Hektar. Alle Jülg-Weine werden sorten- und herkunftstypisch vinifiziert. Riesling und Spätburgunder durchlaufen teils eine Spontangärung. Die Weißweine liegen lange auf der Feinhefe. Bestimmte Rotweine reifen im traditionellen „Pfälzer Stückfass“, im Eichenholz-Tonneau oder Barrique, um so das Terroir und die Lage naturnah und schonend in die Flasche zu bekommen. Je nach Sorte werden aber auch Edelstahltanks gewählt. Die Premium-Weine werden unter dem Namen „Opus Oskar“ vermarktet.

Das Weingut ist Mitglied im „Barrique Forum Pfalz“ und bei der „Generation Riesling“. Mit der Berufung zum Mitglied im VDP in 2021 ist Jülg unter den renommiertesten Betrieben Deutschlands angekommen.

Copyright, ab 2021: Deutsche Weine & Das Rechtschreib- und Korrekturbüro Die Anti-Fehlerteufel – Autor: Werner Herkert