Horst Sauer

Wer mit seinem Weingut wie Horst Sauer in der Bocksbeutelstraße residiert, füllt seine Rebensäfte in heutiger Zeit längst nicht mehr „nur“ in die bauchigen grünen und braunen Flaschen ab. Auch, wenn diese als „so typisch“ für das Anbaugebiet Franken weitläufig noch immer gelten. „Drei fränkische Schoppen“, dreimal ein Viertelliter, ihre Füllmenge. Die kugelige Flasche mit dem kurzen Hals, vor mehr als 250 Jahren als „Würzburger Stein“ eingeführt, genießt im Übrigen, wie oft fälschlich vermutet, keinen Markenschutz.

Im Volkacher Ortsteil Escherndorf produzieren Sauer und sein Helferteam zirka 150.000 Flaschen Wein, jährlich. Ihr Durchschnittsertrag: 74 Hektoliter je Hektar. Inzwischen erstreckt sich der Anbau im Unterfränkischen, genauer im Landkreis Kitzingen, auf 20 Hektar Rebfläche in den zwei Lagen „Fürstenberg“ und „Lump“. Die besten Parzellen im Lump sind den Großen Gewächsen vorbehalten und kommen unter dem Gewannnamen  „Escherndorf am Lumpen 1655“ auf den Markt. Sie alle zeichnen sich durch ihre Bodenbeschaffenheit aus: Muschelkalk, Lettenkeuper und Lösslehm. Ideal und interessant für Silvaner, Müller-Thurgau, Riesling oder wie es die Sauers nennen für den „Geschmack Frankens“. Auch Bacchus, Weißer Burgunder, Spätburgunder und seit Neuestem auch Sauvignon Blanc gehören zum Rebstocksortiment.

Guter Wein ist nach Ansicht von Horst Sauer „ein perfekter Geschichtenerzähler“. Gemeinsam mit seiner Tochter Sandra möchte er das Tag für Tag im Familienbetrieb unter Beweis stellen. Perfektionieren. Nicht nur darum werden Most und Wein im vierstöckigen Winzerhaus über möglichst kurze Wege fast ausschließlich mittels Schwerkraft bewegt. Die so schonende Behandlung in Verbindung mit langer, gezügelter Gärung versprechen besonders feingliedrige, reintönige Weine.

Als Großes Gewächs werden die besten Tropfen vermarktet. Und als „Special“ wird der trockene Weißwein „Sehnsucht“ (Silvaner) gekeltert. Eine Cuvée aus beiden Lagen, zu 70 Prozent im Barrique ausgebaut. Um nur ein Beispiel aus dieser Rubrik zu nennen. Hier handelt es sich nach Sauers Definition um besondere Weine, die individuell durch die außergewöhnliche Inspiration eines Augenblicks geprägt sind. Die gesamte Palette der Prädikatsweine von Auslese bis Eiswein ist das Ergebnis inniger Leidenschaft und großer Freude am Weinbau. Zu den aktuellen internationalen Auszeichnungen zählen Gold und Silber der „AWC Vienna 2020“. National wurde Sandra Sauer vergangenes Jahr als „Winzerin des Jahres“ beim „Gourmetwelten Lagen Cup“ ausgezeichnet, um nur einen der zahlreichen Preise der Vorjahre zu nennen. Die namhafte Liste der Restaurants, die „in normalen Zeiten“ über das Weingut beliefert werden, zeigt, in welcher Liga die Sauers spielen und weshalb ihre Weine auch bei uns zu haben sind.

Wer das Handwerk und die Kunst des Winzers gerne lernen möchte, fand auf dem Weingut Horst Sauer auch in dem Jahr eine Ausbildungsstelle. Neue, nächste Chance: 2022. Luisa Becker, die aktuell ihre Lehre im Weingut abgeschlossen hat, ist die Jahrgangsbeste in Franken. Also nicht die schlechtestes Adresse, um eine Ausbildung zu starten. 

„Vom einfachen Qualitätswein bis zum hochkarätigen Edelsüßen fördern wir jeweils die besten Charaktereigenschaften“, versichern der Winzermeister und seine Nachfolgerin aus Unterfranken. Für sie sind die Weine aus ihrem Gut wahre „Glücksbotschafter“ und „Weinpoesie pur“ – mal fröhliche, mal imposante und auch mal melancholische. Alle(s) zu ihrer oder seiner Zeit. Immer mit viel Fantasie für einen oder den Moment. Für ihren freien Lauf. Kurz: Genuss, Geschmack, Größe.

Das Weingut ist Mitglied im VDP (Verband Deutscher Prädikatsweingüter) und bei der Winzervereinigung Frank & Frei.

Copyright, ab 2021: Deutsche Weine & Das Rechtschreib- und Korrekturbüro Die Anti-Fehlerteufel – Autor: Werner Herkert