Georg Breuer

Weingut Georg Breuer
Weingut Georg Breuer
Weingut Georg Breuer

„Weinwunder Deutschland“, die Film- und TV-Reihe des Weinjournalisten Stuart Pigott und Regisseurs Alexander Saran im Auftrag des Bayerischen Rundfunks, porträtiert Könner des Weinbaus. In der dritten Staffel geht es in einer der Episoden um die Frage „Gereifter Wein – wann ist er im besten Alter?“ Beantwortet wird diese Frage von Fachleuten auf vier namhaften Gütern. Unter ihnen auch das Weingut Georg Breuer. Wichtig ist den Filmemachern, in Keller hinab zu steigen, in denen „Weine zu erschwinglichen Preisen“ altern, lagern, reifen.

Auch beim Blick auf den „Rüdesheimer Berg“, mehrere beste Weinlagen im Rheingau – rund 95 Hektar – von Rüdesheim bis über die Burgruine Ehrenfels hinaus, fällt dieser auf das Weingut Georg Breuer. Mit 70 Prozent Steigung und damit der steilsten Weinberglage im Rheingau, Schwerstarbeit. Auf den edlen Tropfen Wein kommen unzählige Tropfen Schweiß. Und angesichts der Steillage und aufgeschlagener, aufgeschürfter Knie’ sicherlich zudem so mancher Tropfen Blut.

40 Hektar umfassen die eigenen Rebflächen, darunter beste Lagen wie der ruhmreiche „Berg Schlossberg“, oder „Berg Roseneck“ und „Berg Rottland“ in Rüdesheim, der „Nonnenberg“ in Rauenthal und in Lorch die „Pfaffenwies“. Die Böden mit Taunusquarzit, Schiefer und steinigem Phyllit, wie Urtonschiefer wissenschaftlich genannt wird, durchzogen. Teils in flacheren Lagen auch mit Löss und Lehm vermischt. Der Durchschnittsertrag des Weinguts liegt bei 45 Hektoliter pro Hektar. In Spitzenlagen: 15 bis 25.

In der geschichtsträchtigen, hessischen Weinstadt Rüdesheim am Rhein gründen Bernhard Scholl und Albert Hillebrand 1880 als Ergänzung ihres Weinhandels das Gut. Anfang des 20. Jahrhunderts übernimmt Peter Breuer das Erbe und dessen Sohn Georg erweitert ihr kleines Imperium. Es folgen ihnen in dritter Generation die Brüder Bernhard und Heinrich Breuer. Neben der Weiterentwicklung in Rüdesheim gehen die beiden, gemeinsam mit Bernd Philippi, dem ehemaligen Besitzer des Weingutes Koehler-Ruprecht in der Pfalz, und Werner Näkel, Besitzer des Weingutes Meyer-Näkel an der Ahr, aber auch noch andere Wege. Im Jahr 2000 starten sie im portugiesischen Douro-Tal das Weingut Quinta da Carvalhosa. 1997 ist bereits gemeinsam mit Bernd Philippi und dem Südafrikaner Stephan du Toit das Weingut Mont du Toit entstanden.

Bernhard Breuer, gefeiert als „der innovativste Winzer Deutschlands“, stirbt 2004. Vollkommen überraschend. Seine Leidenschaft: Riesling, trocken. Eindeutiger Beleg: 1984 gründet er die Rieslingvereinigung „Charta Rheingau“, die 1999 im „VDP.Rheingau“ aufgeht. Das Gut leiten nach seinem Tod sein Bruder Heinrich Breuer und seine Tochter Theresa. Inzwischen ist sie die Chefin. Unterstützt vom langjährigen Betriebsleiter Hermann Schmoranz und dem Kellermeister Markus Lundén. Ihr Streben: Fokussierte Arbeit in den Weinbergen und „das Gefühl für die natürliche Balance von Süße und Säure, Reife und Aromatik“. All dies dominiert in ihren Augen und Gaumen die Stilistik der unter ihrem Einfluss entstehenden Weine.

Ihre Weingärten im Rheingau-Taunus-Kreis dominiert mit 81 Prozent noch immer der Riesling. Ihre weiteren Rebsorten: Spät-, Grau- und Weißburgunder. Als absolute Raritäten kultivieren sie zwei nahezu ausgestorbene, historisch bedeutsame Sorten: Weißer Heunisch (Gouais Blanc) und Orléans. Vom Orléans werden seit 2002 im Jahr höchstens 200 bis 300 Flaschen produziert. Als erster Jahrgang, Jungfernwein, für den 2005 gepflanzten Weißen Heunisch gilt der von 2008.

Naturnaher Weinbau ist und bleibt Trumpf. Der hohe Qualitätsanspruch wird dank extrem niedrigen Erträgen plus strengste Selektion des Traubenguts erreicht. Als eine Spezialität gelten Weine in kleinen Mengen aus Grauburgunder und Spätburgunder von besonders alten Rebanlagen. Sie werden seit dem Jahrgang 1999 unter der zusätzlichen Bezeichnung „B“ (Bergterrassen) abgefüllt. Auch Süßweine wie Auslese, Beerenauslese und Trockenbeerenauslese kommen in die Flaschen. Ihre Beeren sind in einem aufwändigen Verfahren nach ihrem Fäulnisgrad manuell sortiert worden. Zudem gehören Destillate – Trebern-, Geläger- und Weinbrand – und flaschenvergorene Sekte zu ihrem Sortiment

Unsere besondere Empfehlung: Terra Montosa, die letzte Selektion über die Parzellen, vor der Ernte der Großen Lagen-Weine. Hier lässt sich schon erahnen, was einem bei diesen Spitzengewächsen erwartet.

Das Weingut ist Mitglied der Vereinigung „Deutsches Barrique-Forum“ und bei „Fair ‘n Green“.

Copyright, ab 2021: Deutsche Weine & Das Rechtschreib- und Korrekturbüro Die Anti-Fehlerteufel – Autor: Werner Herkert