Enderle & Moll

Wer ein großes und offenes Herz für vielversprechende „Neu-“ und zugleich erfolgreiche „Winzlinge“ hat, wer Weine sucht – spannende – die zwar nicht zertifiziert sind, aber dennoch nach „demeter“- Richtlinien an- und ausgebaut werden, wird bei dieser Adresse fündig. Das junge Weingut Enderle & Moll mit Sitz in Münchweier gründen Sven Enderle und Florian Moll 2007. Nach einem Jahr Vorlaufzeit entschließen sich die beiden Männer, das Wagnis einzugehen und ein eigenes kleines Weingut zu gründen. Auf knapp zweieinhalb Hektar bauen sie inzwischen ihre ganz eigenen Weine aus. Teils „wild und fordernd“. Den größten Anteil ihrer Ernten auf Muschelkalk- und Buntsandstein-Boden hat hier der Spätburgunder (Pinot Noir), gefolgt von Müller-Thurgau und Grauburgunder.

Die Jung-Winzer lernen sich während ihrer Ausbildung kennen, die sie zwischen 2003 und 2005 am Kaiserstuhl absolvierten. In der Berufsschule. Für so manche Karriere und Laufbahn der Schlüssel. Während Sven Enderle in Oberrottweil bei dem Weingut „Bercher-Schmidt“ lernt, macht Florian Moll seine Lehre beim Weingut „Höfflin“ in Bötzingen. Nach der Lehrzeit findet Enderle eine Stelle bei dem Öko-Weingut „Dr. Benz“ in Kenzingen-Bombach. Dort zeigt er sich mit großem Engagement und ebensolche Wissbegierde mitverantwortlich für den erfolgreichen Außenbetrieb des Weinguts. Moll geht im Herbst 2005 nach Süd-Frankreich, um dort beim Chateau Duvivier hauptsächlich im Keller die angestrebte Qualität zu sichern, ja zu verbessern. In der für sie wichtigen Lehr- und Gesellenzeit kommen beide Winzer, unabhängig voneinander, erstmals mit „angewandter Biodynamie im Weinbau“ in Kontakt. Einige der erlebten, erlernten, teils extremen Aspekte faszinieren, begeistern sie nachhaltig.

Als Sven Enderle 2006 die Möglichkeit bekommt, ein gut gepflegtes, nicht mal einen halben Hektar füllendes Rebstück oberhalb von Münchweier zu pachten, ist der Grundstock in der Ortenau für Enderle & Moll, wie es heute existiert, gelegt. Ihr Gut in dem kleinen Dorf im Breisgau wird schnell als „Die Garagen-Keimzelle für badische Naturweine“ tituliert. Ein Prädikat, das nur eingefleischte Badener sympathischen und besonderen Badenern verleihen können und würden.

Die beiden Winzer gehören tatsächlich zu den „Ur-Vätern“ der Naturwein-Szene in Deutschland. Das Ziel ist, möglichst unverfälscht den puren Ausdruck der jeweiligen Lage in die Flasche zu bekommen. Aus diesem Grund wird bei E & M komplett auf Pumpvorgänge, Schönung und Filtration verzichtet, Schwefel wird, wenn überhaupt, nur ganz minimal benutzt. Die Rotweine werden zwischen 12 und 15 Monaten im Barrique ausgebaut. Die Weißweine bekommen meist eine Maischestandzeit. Da kann es schon passieren, dass ein Grauburgunder optisch einem Rosé ähnelt, oder der Weißburgunder einem naturtrüben Apfelsaft. Das sind dann keine Weinfehler, das ist so gewollt.

„Leider ausverkauft“ steht Jahr für Jahr und nur kurze Zeit nach der Präsentation des Jahrgangs in den Preislisten der beiden Winzer. Doch die nächste Lese und auch Flaschengärung kommt bestimmt. Verkürzen kann die Wartezeit auf die kommenden Abfüllungen vielleicht der Hinweis: beschafft euch genug Vorrat!

Für alle, die an die zwei Winzer mit Briefmarken versehene Dankeskarten oder auch Liebesgrüße nach dem Verkosten per Post senden wollen noch der hauseigene „E & M“-Hinweis: „Achtung, wir haben eine neue Postadresse … Hauptstraße 9 …“. Der Ort ist und bleibt derselbe: Münchweier im Breisgau.

Copyright, ab 2021: Deutsche Weine & Das Rechtschreib- und Korrekturbüro „Die Anti-Fehlerteufel“ – Autor: Werner Herkert