Chat Sauvage

2021, jetzt ist es tatsächlich volljährig. Laut Gesetz vom Februar 1875 bis zum 31. Juli 1974. Das Weingut Chat Sauvage in Johannisberg, einem Teilort von Geisenheim, genauer seine zwei Besitzer, feiern in diesem Jahr dessen 21. Geburtstag. Zum Jahrtausendwechsel gründet Günter Schulz sein Gut im Rheingau. Seine Idee – Burgunder statt Riesling. In einer Weinregion, in der sich fast alles um den Riesling dreht. Die eigenen Weinberge wurden erstanden, produziert wurde erstmal zur Untermiete. Der Lebenstraum des norddeutschen Unternehmers nimmt, zusammen mit Michael Städter, der den Betrieb in den ersten Jahren, lange als „One-Man-Show“, leitete und auf die Erfolgspur brachte, Gestalt an. 2010 wird die eigene Betriebsstätte samt Keller eingeweiht und bezogen.

Dann, 16 Jahre nach dem Start, die Quote. Herbst 2016. Verena Schöttle übernimmt von Städter die Leitung des Betriebs und ist zugleich verantwortlich für den Ausbau der Weine bei dem Hamburger Gutsbesitzer und großen Weinliebhaber. 2019: Sie, die bestens in Theorie und Praxis geschulte und wissbegierige Winzerin, wird Mitinhaberin des jungen Guts. Es gilt weithin als „Perle im Rheingau für Spätburgunder“ und „Pinot Noir im Burgundischen Stil“.

Hochwertige und immer wieder ausgezeichnete Weine wie Pinot Noir oder Chardonnay prägen den wohlklingenden Ruf des Guts. Ihr Anbau im Verhältnis: 75 und 25 Prozent. Sie sind die Passion aller im Chat Sauvage. Das Kultivieren von Burgunderweinen auf Topniveau und auf unverkennbaren, mineralischen Rheingau-Böden. Alles erfolgt nach französischer Tradition. Von Anbau über das Herstellen der Weine und ihrem Lagern. Dazu gehören für sie 100-prozentig gesunde und wirklich ausgereifte Reben, beispielsweise der Lagen „Assmannshäuser Höllenberg“, „Johannisberger Hölle“, „Lorcher Kapellenberg“ und „Schlossberg“. 

Schöttle und Schulz bewirtschaften inzwischen acht Hektar, durchzogen mit Schiefer und Quarzit oder Löss und steinigem Lösslehm. Sie produzieren zirka 24.000 Flaschen Wein im Jahr. Der Ertrag liegt im Schnitt bei 35 Hektoliter je Hektar. Naturnahe und umweltschonende Verfahren: Ehrensache. Dank organischem Dünger, kurz: Kompost.

Echte Weinqualität entsteht für das Inhaberduo immer zuallererst in den eigenen Weinbergen. Neben dem Entblättern heißt das ausdünnen des Blattwerks, halbieren der Traubenmenge und das Handlesen der sonnen- und bodenverwöhnten Reben. Zweieinhalb Jahre Ausbau im Barrique vor der Flasche steigern die Qualität weiter. Im Keller wird jedoch keinesfalls gezaubert, sondern mit viel, viel Zeit sehr sorgfältig und meisterlich gearbeitet. Zum Finale werden die Weine in ihren französischen Fässern „behütet“. Rotweine durchlaufen die Maischegärung, reifen 18 Monate und länger nach dem Abpressen der Maische im Barrique und werden alle ohne Filtration abgefüllt. Weißweine vergären im Barrique, lagern lange auf der Feinhefe und reifen gut 14 Monate in den Fässern.

Zu den Leitsprüchen auf der Weinhochschule Geisenheim gehört auch diese: „Hochwertige Weine können nur gemeinsam im Team entstehen.“ Und Geisenheim gilt als „Grünes Geisenheim“. Damit steht sicherlich außer Frage wie die Uhren im Chat Sauvage auch in naher und ferner Zukunft ticken. Forschung und Fortschritt treffen hier allerdings auch auf eine uralte Tradition. Denn Geisenheim wird im Jahr 722 verbunden mit dem Weinbau erstmals urkundlich erwähnt. Die Domstadt am Rhein zwischen Wiesbaden und Rüdesheim, heute mit rund 11.600 Einwohner*innen aus vier Stadtteile verteilt, gilt somit als ältester (Weinbau-)Ort im Rheingau.

Zu den jüngsten hohen Weihen für das volljährige Weingut gehören vier von fünf Sternen im aktuellen „Eichelmann“, alle fünf „falstaff“-Sterne, vier von fünf möglichen bei „Vinum“, vordere Plätze beim „LagenCup Weiß 2020“ und bei den „Gourmetwelten“ sowie der Titel zur Winzerin des Jahres beim „LagenCup Rot 2021″

Unsere besondere Empfehlung: Der Rheingau Chardonnay trocken. Cremig, feine Röstaromen, viel Burgunder in dieser Preisklasse.

Copyright, ab 2021: Deutsche Weine & Das Rechtschreib- und Korrekturbüro Die Anti-Fehlerteufel – Autor: Werner Herkert